Die Adler-Apotheke unter Franz Fuisting
Im Mai 1941 erwarb der aus Vreden gebürtige Pharmazierat Franz Fuisting die Adler-Apotheke. Unter seiner Leitung erfuhr die Apotheke einen erheblichen Zulauf, der auch die Erweiterung des Personalbestandes bewirkte. Dabei wirkte sich die vor dem Kriege neu gefasste Ausbildungsordnung für das Apothekenpersonal günstig aus. Vordem war lediglich zwischen kaufmännischem Hilfspersonal ohne staatliche Prüfung und pharmazeutisch ausgebildeten Praktikanten(innen) unterschieden worden.
Nunmehr wurde dem kaufmännischen Personal und allen, die in diese Berufssparte strebten, die Möglichkeit gegeben, nach einer - damals - zweijährigen Ausbildung den Status des staatlich geprüften Apothekenhelfers(-helferin) zu erlangen. Der Praktikantenstatus war Abiturienten vorbehalten, die ein zweijähriges Praktikum nebst Abschlussprüfung zu absolvieren hatten, um zum Studium der Pharmazie zugelassen zu werden.
Wer nicht studieren wollte, konnte nach dieser Prüfung als Apothekenassistent in der Apotheke tätig sein. Durch die Änderung der Ausbildungsordnung für Apotheker (um 1970) ist das Praktikum vor dem Studium abgeschafft worden. Der Apothekenassistent zählt zu den "aussterbenden" Berufen.
Schon 1945 hatte die Adler-Apotheke zwei Praktikantinnen und zwei Helferinnen. Seither sind in dieser Apotheke zahlreiche Helferinnen - später auch PTA genannt - ausgebildet worden und auch beschäftigt gewesen ...18)
Die letzten Kriegsjahre wie auch die Notjahre nach 1945 überstand die Apotheke ohne Schaden. Nicht zuletzt der Großzügigkeit Herrn Fuistings gegenüber den Mitarbeitern ist die erfolgreiche Erhaltung des Apothekenbetriebes zu verdanken. Auch war Franz Fuisting ein geschickter Geschäftsmann, der seine Apotheke nach dem Kriege zu neuer wirtschaftlicher Blüte verhalf. Zur Adler-Apotheke gehörten bald Zweigapotheken in Hennen und Ergste. Seit 1957, als die Niederlassungsfreiheit eingeführt wurde, haben sich zahlreiche approbierte Mitarbeiter der Apotheke in Schwerte und Umgebung selbständig gemacht. Die Zweigapotheken in Hennen und Ergste wurden per Gesetz eigenständig.
Die homöopathische Abteilung
Schon unter Alfred Dannhäuser war in der Adler-Apotheke eine kleine homöopathische Abteilung eingerichtet worden. Diese Initiative war aus Kontakten zwischen dem Internisten des evangelischen Krankenhauses, Herrn Dr. Traugott Rall, und Herrn Dannhäuser erwachsen.
Herr Fuisting übernahm die Abteilung und weitete das Angebot aufgrund der Verschreibungen Dr. Ralls aus.
An diese Arbeit konnte Dr. Otto Heppe anknüpfen, als er sich 1951 in Schwerte niederließ. Dr. Heppe entstammt einer alteingesessenen Schwerter Kaufmannsfamilie, deren mütterliche Linie ins "Schwerter Mittelalter" zu verfolgen ist (13./14. Jahrhundert). Er stieß als Medizinstudent zur Anthroposophie. Die von Rudolf Steiner und lta Wegemann begründete anthroposophische Medizin nimmt sowohl die Impulse der Schulmedizin wie auch der klassischen Homöopathie auf, und durchwirkt sie forschend mit der Menschenkunde Rudolf Steiners. 19)
Aus der dieser Medizin entspringen- den Verschreibungsart ergaben sich für den jeweiligen Leiter der Adler-Apotheke besondere Anforderun- gen. Die Palette der homöopathischen Mittel wurde ausgeweitet; auch kamen außergewöhnliche Verschreibungen, die ein teilweise mühevolles Beschaffen des betreffenden Mittels erforderten, häufig vor.
Die von gegenseitiger Wertschätzung getragene Zusammenarbeit zwischen Dr. Heppe und Herrn Apotheker Fuisting wie auch nachfolgend Herrn Apotheker Surmann darf als ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Adler-Apotheke angesehen werden. 20)

Belegschaft der Adler-Apotheke, Schwerte 1945.
Von links: Putzfrau (o. N.), Hildegard Schwegmann (Apothekerin), Marianne Reddemannn (Praktikantin), Herr Apotheker Fuisting, Gisela Lippe verh. Wilke (Helferin), Maria Feldmann (Praktikantin), Techniker (o. N.), Hertha Waslowski (Helferin).

Die Einrichtung der Apotheke in den vierziger Jahren.

